Eine Beobachtung aus der Praxis
In vielen mittelständischen Unternehmen ist KI inzwischen angekommen.
Nicht als Vision, sondern als Projekt.
Es gibt Pilotanwendungen, erste Use Cases, Workshops.
Es gibt Neugier, Investitionen und oft auch ehrlichen Gestaltungswillen.
Und trotzdem bleibt bei vielen das Gefühl,
dass die tatsächliche Wirkung hinter den Erwartungen zurückbleibt.
Diese Beobachtung ist nicht neu.
Aber sie wird gerade spürbarer.
Wovon hier die Rede ist
Wenn hier von KI gesprochen wird, geht es nicht um einzelne Tools oder Modelle.
Gemeint sind Systeme, die Entscheidungen vorbereiten, strukturieren oder unterstützen.
Also dort, wo Technik beginnt,
Einfluss auf Entscheidungen zu nehmen.
Nicht als Ersatz für Verantwortung,
sondern als Teil organisatorischer Abläufe.
Technologie ist selten das eigentliche Problem
Wenn Projekte nicht vorankommen, richtet sich der Blick häufig auf die Technik.
Auf Daten, Modelle, Tools.
Das ist verständlich.
Und manchmal auch richtig.
Aus meiner Erfahrung greift dieser Fokus jedoch oft zu kurz.
Denn in vielen Fällen ist die Technologie leistungsfähig genug.
Was fehlt, sind die Strukturen,
in die sie sinnvoll eingebettet werden kann.
KI verstärkt, was bereits da ist
KI macht Organisationen nicht automatisch besser.
Sie macht sie sichtbarer.
Unklare Prozesse werden schneller unklar.
Unausgesprochene Entscheidungen werden stillschweigend automatisiert.
Verantwortung verschiebt sich – ohne dass es jemand bewusst entschieden hätte.
Gerade in Umfeldern mit hohen Qualitäts- oder Risikoanforderungen
wird das schnell problematisch.
Das Missverständnis von „Einführung“
Viele Initiativen starten mit der Frage:
Wo können wir KI einsetzen?
Die wichtigere Frage lautet aus meiner Sicht:
Wo sollten Entscheidungen überhaupt unterstützt werden – und wo nicht?
Diese Frage ist keine technische.
Sie ist eine Frage von Verantwortung.
Wer entscheidet?
Auf welcher Grundlage?
Und mit welchem Spielraum?
Solange diese Fragen nicht geklärt sind,
bleibt auch der Einsatz von KI unscharf.
Entscheidungsarchitektur als fehlendes Bindeglied
In den meisten Organisationen gibt es vieles:
Prozesse, Rollen, Qualitätsanforderungen, Zielsysteme.
Was häufig fehlt, ist die Verbindung zwischen diesen Elementen.
Eine klare Logik, wie Entscheidungen entstehen
und wie Verantwortung dabei verankert ist.
Ich bezeichne das als Entscheidungsarchitektur.
Sie entsteht nicht auf Folien.
Sondern im Alltag – durch bewusste Klärung.
Denken vor Tool
Ein Muster begegnet mir immer wieder:
Prozesse werden automatisiert, bevor sie wirklich verstanden sind.
KI kann das nicht lösen.
Sie skaliert lediglich, was bereits existiert.
Eine einfache Frage hilft oft weiter:
Würde dieser Prozess auch ohne Technik sinnvoll funktionieren?
Wenn nicht,
ist Automatisierung selten der richtige nächste Schritt.
Fazit
KI ist ein leistungsfähiges Werkzeug.
Aber sie ersetzt keine Klarheit.
Dort, wo Entscheidungslogik, Prozesse und Verantwortung bewusst gestaltet sind,
kann sie Wirkung entfalten.
Wo das fehlt,
macht sie bestehende Unordnung nur deutlicher sichtbar.